Eifeltour zum Nürburgring
- März 2004 -

Am Samstag war die
Inspektion bei den Teutobikern angesagt. Meine Kette mußte in
Ordnung gebracht werden; die Dichtung an der Ölablaßschraube
mußte geprüft und abgedichtet werden. Und wie der Teufel es
so will; gerade als ich losfahren will, setzt der nächste Regenguß
ein.
Eigentlich wollte ich ja noch eine kleine Runde drehen um die Dichtigkeit
der Ölablaßschraube zu überprüfen. Aber bei den heftigen
Regenschauern macht das wenig Lust. Ich warte bis sich der Himmel wieder
aufklärt und wage gegen 20.45 Uhr einen zweiten Versuch. Es wird
langsam dunkel, ich tanke noch kurz voll und will nur einmal ein kleines
Stück unter Vollgas über die Autobahn fahren. Mit meiner 125-er
ist das schon ein mutiges Unterfangen, wenn ich mir die Endgeschwindigkeit
von knapp über 100km/h ansehe. Die Auffahrt zur Autobahn kommt; für
lange Überlegungen ist es jetzt eh zu spät.
Nach einigen hundert Metern auf der Bahn: Der erste LKW mit gut 90 km/h
läßt sich gut überholen; der zweite davor ebenfalls. Der
nächste offensichtlich auch, denn er hat fast genau die gleiche Geschwindigkeit.
Also mutig den Blinker setzen und auf den Mittelstreifen wechseln. Bis
zur Höhe der Fahrerkabine komme ich, bis ich merke, was der Typ da
für eine Nummer abzieht. Der gibt nämlich jetzt kräftig
Gas, blickt nochmal gelangweilt durch die Seitenscheibe und erhöht
weiter seine Geschwindigkeit. Mit meinen momentan knapp 105 km/h Maximalgeschwindigkeit
hab ich jetzt keine Chance mehr. Die Situation wird nun brenzlig, da auch
von hinten weitere PKWs angerauscht kommen. Auf dem Mittelstreifen und
der Überholspur ist es jetzt lebensgefährlich! Mit Mühe
und Not komme ich wieder auf den rechte Spur zurück. Die Lektion
hat aber gesessen!! In dieser Leistungsklasse sind solche riskanten Überholmanöver
Dinge, die man sich im Interesse der eigenen Sicherheit besser erspart.
Inzwischen fahre ich schon über 20 Kilometer auf der Bahn; meine
ursprüngliche Abfahrt hab ich schon verpaßt (ok, die zweite
wegen dem Ärger ebenfalls). Den blöden LKW habe ich nicht mehr
einholen können. Der Daelim-Motor läuft immer besser; die Tachonadel
klettert inzwischen auf stolze 115 Stundenkilometer. Also nutze ich die
Gunst der Stunde und fahre weiter. Es wird inzwischen stockfinster und
der Verkehr am Samstagabend läßt auch langsam nach. Nach knapp
100 Kilometern Autobahn taucht schon das Kamener Kreuz auf. Und weil ich
immer noch Lust am Fahren habe und das Wetter gut ist, schlage ich kurzerhand
den Weg nach Köln ein. Der Abend ist ja noch jung.
Jetzt kommt die spannende Frage des Tages: Mit welcher Geschwindigkeit
komme ich über die Anhöhen von Hagen, Gevelsberg und Wuppertal?
Macht die Daelim da vielleicht nicht schlapp?? Nach der Pleite mit dem
LKW-Überholmanöver hab ich arge Bedenken, ob das wohl gut geht.
Also suche ich mir einen LKW und setze mich eine Weile in seinen Windschatten.
Und das funktioniert! Mit 90 bis 100 km/h klettert meine alte 125-er Daelim
brav einen Berg nach dem anderen hoch. Stolze Leistung!
Gegen 23.30 Uhr sehe ich den erleuchteten Kölner Dom; Zeit für
einen Besuch bei einem Freund. Zu meinem großen Pech ist der unerwartet
nicht da. Durch Zufall treffe ich ihn eine Straße weiter, als er
gerade mit einem Bekannten aus einer Kneipe kam. Mensch, da habe ich echt
Glück gehabt :-))
Der fällt beim Anblick der Bikerkluft erst einmal vom Glauben ab.
Wir quasseln bei Cappucino und Gebäck in einer urigen Kölner
Alstadtkneipe bis nach 2.00 Uhr. Gegen 5.00 Uhr versuche ich meinem Notquartier
einzuschlafen. Gegen 8.00 Uhr stehe ich abgenervt wieder auf; schlafen
geht irgendwie nicht. Jetzt die Entscheidung, noch irgendwo hinzufahren
oder die Heimreise antreten: Zum Zurückfahren hab ich immer noch
keine Lust. Gab es da am 4. April nicht so eine Bikertreffen am Nürburgring?
Ja, genau. Hab ich doch einen Tag vorher in einer Motorradzeitung gelesen.
Na gut, wieder volltanken und los. Das Wetter in Köln ist bescheiden;
es regnet Bindfäden. Die Fahrt bis kurz hinter Bonn über
die Autobahn ist reinstes Chaos. Solche Regenschauer und kurze Sichtmöglichkeiten
sind keine große Freude für Motorradfahrer. Und das, obwohl
ich gerne auch im Regen fahre.
Im schönen Ahrtal ist der Regen dann vorbei; nur der heftige Sturm
bleibt. Der Himmel klart auf und die Sonne scheint. Immer mehr Biker
kommen
mir nun entgegen. Unterwegs zum Nürnburg fallen mir öfters Stellen
mit Blumen auf, an denen Motorradfahrer wohl tödlich verunglückt
sind. Kurz vor Mittag erreiche ich dann den endlich den Nürburgring.
Geschafft!
„Anlassen 2004“
Die
Bikerveranstaltung "Anlassen 2004" findet zum
6. Mal auf dem Parkplatz A8 direkt vor der Nürburgring-Erlebnis-Welt
statt. Die ersten Biker kommen mir schon in großer Zahl im Ahrtal
entgegen.War das Treffen etwa schon vorbei?
Bei recht windigem Wetter mit zeitweisem Sonnenschein steuere ich den
Parkplatz A8 des Nürburgring an. Zahlreiche Biker aus ganz unterschiedlichen
Regionen sind schon da.
Zwischen zwei PS-Boliden parke ich artig meine Daelim; übrigens
die einzigste Daelim weit und breit an diesem Tag. Dafür sehe ich
eine Reihe weiterer 125er-Bikes. Die Yamaha XV 125 Virago ist heute auffällig
oft mit vielen unterschiedlichen Baujahren vertreten. Vielleicht ist ja
gleich ein ganzer Club hier angereist, so wie die Roller-Fans aus Köln.
Was auf jeden Fall auffällt, ist die Liebe zum Detail vor allem
bei den alten "Zweirad-Schätzchen". Ok, ein modernes hochgezüchtetes
Bike ist in Punkto Fahreigenschaften und Höchstgeschwindigkeit den
alten Kisten natürlich haushoch überlegen. Und doch strahlen
die betagten Motorräder einen gewissen Charme aus, den die Massenproduktionen
in dieser Form eben nicht haben.
  
Nahezu jede mehr oder weniger bekannte Motorradmarke ist dabei. Auffallend
häufig sehe ich unterschiedliche BMW-Modelle. Und vorne vor der Einfahrt
zum Parkplatz A8 scheint der komplette Rollerclub Köln eingetrudelt
zu sein - ein Roller nach dem anderen steht da in Reihe und Glied. Ich
gehe zwischendurch immer wieder über den Parkplatz, sehe mir interessiert
die einzelnen Bikes an und mache Fotos.
  
Meine Daelim sorgt übrigens mit der Anhängerkupplung für
allgemeine Heiterkeit auf dem großen Parkplatz. Ok, da muß ich
wohl drüber
stehen. Jedenfalls ist vom Uralt-Gammel-Mofa bis zum Edel-Trike alles,
was zwei bis drei Räder hat, vertreten. So beispielsweise Rennmaschinen,
Chopper, Cruiser, Roller, ATVs, Mofas, Leichtkrafträder (125er),
Tourer, Geländemaschinen und fahrende Wohnzimmer. Ist schon
echt beeindruckend. Auch echte Oldies aus meiner Jugend sehe ich
(50ccm Zündapp
& Kreidler). Mann, waren das noch Zeiten...
Direkt auf dem Parkplatz A8 spielt eine Band Livemusik. Für das
leibliche Wohl sorgen einige Stände. Die Polizei informiert ausführlich
zum Thema Zweiradsicherheit. Die Gespräche mit den Beamten sind sehr
kompetent. Man merkt sofort, daß man mit Motorradfahrern spricht.
Das
Thema Motorradsicherheit durch Unterfahrschutz ist auch auf dieser Biker-Veranstaltung
ein Thema. Der gemeinnützige Verein MEHRSi
e.V. zeigt direkt vor Ort, wie so ein Unterfahrschutz
konkret aussieht. Bei den Diskussionen mit interessierten Motorradfahren
merkt man doch, daß sich viele Biker mit diesem Thema positv beschäftigen.
Gerade jetzt, wo die Saison gerade anfängt und das Unfallrisiko
doch sehr groß ist. Und MEHRSi braucht weitere Unterstützung,
damit das Thema Motorradsicherheit
durch Unterfahrschutz endlich auch in Deutschland mehr Bedeutung erfährt.
Schließlich kann es jeden Biker treffen.
Nach und nach kommen weitere Zweirad-Fans auf das Gelände; der Parkplatz
A8 wird nun gesperrt. Ich selbst kann das zwar nicht beurteilen, aber
nach Aussagen verschiedener Aussteller sind es doch weniger Biker als
im letzten Jahr. Da dürfte mit Sicherheit das durchwachsende Wetter
wohl eine große Rolle gespielt haben. Wenn die Sonne mal nicht schien,
wehte ein stürmischer Wind übers Gelände.
Gegen
13.00 Uhr findet eine interessante Vorführung der Landespolizeischule
Rheinland-Pfalz statt. Beamte zeigen hier auf ihren schweren Dienst-BMWs,
wie perfekte Motorradbeherrschung auch bei schweren Bikes aussieht. Alle
Achtung, die Vorführung hatte es echt in sich.
Bis zum Nachmittag kommen immer mehr Biker an; der Sonnenschein hat offensichtlich
wohl noch viele umgestimmt.
Nach dem Biker-Gottesdienst unter freiem Himmel zieht es dann zahlreiche
Motorradfahrer auf den Nürburgring selbst. Ich nutze die Gelegenheit,
mich in Richtung Bielefeld vom Acker zu machen. Vom Nürburgring aus
peile ich die Autobahn an, weil ich zügig nach Hause möchte.
Kurz hinterm Nürburgring dann Szenen, die man besser nicht erleben
möchte: Ein schwerer Verkehrsunfall mit mehreren PKWs hat sich kurz
zuvor auf gerader Strecke ereignet. Verwickelt sind keine Motorradfahrer,
sondern offensichtlich ausschließlich Autofahrer. Die Polizei ist
bereits da; ein Krankenwagen kommt mir ein paar Kilometer später
mit Blaulicht entgegen. Nachdenklich geht es auf die Autobahn.
Der stürmische Wind unterwegs sorgt nicht nur auf Brücken für
heftige Pendelbewegungen bei der Daelim. Mehr als 90 bis 100 km/h sind nicht
mehr drin; ich werde schon langsam eine Verkehrsbehinderung auf der Bahn.
Und es geht Kilometer um Kilometer immer nur elendig lange Richtung Köln
bergauf. Hätte ich doch bloß 5 PS mehr...
Das Wetter spielt fast genau bis Köln mit. Ab Köln stürzt
aber wirklich eine Flutwelle nach der anderen vom Himmel. In die Regenschuhe
läuft langsam irgendwo Wasser rein. Unangenehm sind jetzt auch die nassen
und klammen Finger. Mein zweites Paar Handschuhe ist nun endgültig durchweicht.
Erstaunlich dicht hält dagegen die Lederbekleidung. Beim nächsten
Mal werde ich gleich mit angezogenem Regenkombi auf die Reise gehen.
Die Daelim hält sich unterwegs recht wacker. Inzwischen fährt
meine 125er auf gerade Strecke nach Tacho 115-120 km/h und hat offensichtlich
immer noch etwas Potential. Rund 80 Kilometer vor Bielefeld verlasse ich
wegen Unfall in einer Baustelle die Autobahn und fahre gemütlich
über die Landstraße zurück. Langsam hab ich auch echt
keine Lust mehr zum Fahren. Die Finger sind kalt, der große Hunger
meldet sich und der Dauerregen nervt inzwischen auch ganz anständig.
Gegen 20.30 Uhr - also fast genau 24 Stunden später - parke ich die
Daelim wieder ein, genehmige mir noch zwei Teller heiße Gemüsesuppe,
ein kurzes warmes Bad und falle in den wohlverdienten Tiefschlaf.
Fazit:
Für eine ungeplante Spritztour war das ein tolles Erlebnis. Aber
über 650 km in 24 Stunden sind schon ganz schön anstrengend
gewesen. Besonders die Rückfahrt auf der Autobahn bei Dauerregen
und heftigem Seitenwind kostete viel Kraft. Meine Daelim VT 125 hat jedenfalls
anstandslos durchgehalten. Für eine 5 Jahre alte 125er auch eine
tolle Leistung.
Man kann also auch mit kleinen Motorrädern durchaus
seinen Spaß haben!
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